So 21 Okt 2007
Antiquitäten
Geschrieben in Kunst&Kultur
Gebrauchsgegenstände verlieren im Allgemeinen mit zunehmendem Alter an Wert. Niemand würde heute noch viel Geld für einen Computer ausgeben, der Mitte der neunziger Jahre konfiguriert wurde. Es gibt allerdings signifikante Ausnahmen zu diesem Phänomen des zeitlich gebundenen Wertverlusts: manche Produkte, sei es ein fünfzig Jahre altes Auto oder auch ein Schrank aus der Biedermeierzeit, werden gerade deshalb besonders geschätzt, weil sie ein hohes Alter aufweisen. Man spricht in diesem Fall von Antiquitäten.
Aufgrund ihrer Eigenschaft der Wertsteigerung mit zunehmendem Alter finden Antiquitäten ihre Abnehmer unter anderem dort, wo nach einer guten Geldanlage gesucht wird. Doch die Motivationen für das Erwerben betagter Gegenstände beruhen nicht selten auch auf einer ganzen Reihe von anderen Überlegungen. Der Grund dafür, dass Antiquitäten den Zahn der Zeit überlebt haben, liegt oft in ihrem hohen ästhetischen Wert, der von Generation zu Generation Anerkennung fand. Sie können außerdem eine Zeit repräsentieren, in der ein Produkt mit einer Sorgfalt und Genauigkeit erstellt wurde, die heute nicht mehr oder nur noch selten zu finden sind. Antiquitäten bilden damit ein Gegengewicht zur Massenproduktion: so sind etwa Möbel aus dem 18. Jahrhundert Einzelstücke, die dem heutigen Eigentümer das Gefühl vermitteln, etwas Besonderes und Außergewöhnliches zu besitzen. Der moderne, maschinell hergestellte Spanplattentisch hingegen verlässt die Fabrik in tausendfacher, vollkommen identischer Ausführung, so dass dem Produkt jegliche Individualität fehlt.
Selbst in der sonst so schnelllebigen Welt der Computer gibt es mittlerweile Antiquitäten: Wer zum Beispiel einen in den späten siebziger Jahren produzierten so genannten “Apple II” sein Eigen nennt, wird ohne weiteres Sammler und Liebhaber finden, die bereit sind, für das gute Stück einen hohen Preis zu zahlen.